Das Treffen in Wuppertal wurde von 50 radpolitisch Interessierten aus ganz Nordrhein-Westfalen besucht. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass das Bundesland dringend gedreht werden muss. Einige Gäste konnten aus Berlin leider nicht anreisen, da – Vorbote des Klimawandels – der Sturm Xavier die Bahnverbindungen lahmgelegt hatte.

Nach der Begrüßung durch die Gastgeber von Utopiastadt im ehemaligen Wartesaal dritter Klasse hielt Denis Petri von Changing Cities einen Impulsvortrag für das Vernetzungstreffen, in dem die Dringlichkeit des Handelns aufgrund des Klimawandels nochmals verdeutlicht wurde. Er stellte klar, dass Radverkehrspolitik von unten nichts mit Bittstellertum zu tun hat, sondern ein originär politischer Ansatz verfolgt werden müsse. Das Video vom Vortrag findet sich auf unserer Facebookseite.

Kampagnesetting – welche Themen ziehen in der Öffentlichkeit?

Zum Thema Kampagnensetting und der Frage, welche Themen in der Öffentlichkeit ziehen, wurde mit 15 Personen angeregt diskutiert. Nicht ganz unumstritten war die These, dass Konflikt und Provokation für die öffentliche Aufmerksamkeit kleiner Initiativen ausschlaggebend seien. Am Ende stand folgende Liste:

10 Regeln für richtig gute Radkampagnen

Im folgenden wurden im Workshop von Martin Herrndorf zehn Punkte, die für eine gute radverkehrspolitische Kampagne notwendig sind herausgearbeitet. Wie macht man eine richtige gute Radkampagne und was Unterscheidet sie von Anderen?

Im Workshop auf dem „Dreh deine Stadt“-Treffen am 7. Oktober in Wuppertal wurde eifrig diskutiert. Zuerst darüber, was eine Radkampagne ist, und was sie von anderen Kampagnen unterscheidet. So haben Kampagnen einen Anfang und ein Ende sowie ein spezifisches Anliegen, dass sie in die  Öffentlichkeit tragen und für das sie Unterstützung organisieren. Das unterscheidet sie von klassischer Lobbyarbeit, bei der kontinuierlich und an einer Vielzahl von Themen gearbeitet wird.

Einig waren sich die Teilnehmer*innen darüber, dass Kampagnen ein geeignetes und wichtiges Mittel sind, um auf Radthemen aufmerksam zu machen und Veränderung
einzufordern. Diskussionen gab es darüber, ob und wie Radkampagnen sich von anderen politischen Kampagnen unterscheiden – wobei zum einen die grundsätzlichen Regeln für Aufmerksamkeit und politische Arbeit auch für Radkampagnen gelten, auf der anderen Seite Radpolitik aber durchaus eigene Dynamik und Anliegen hat. Offen blieb auch, ob  Radkampagnen sich ein positives, konstruktives Ziel setzen sollten, wie die Einrichtung neuer Radspuren oder der Umbau von Kreuzungen, oder ob auch Kampagnen gegen etwas, zum Beispiel gegen Radunfälle oder schlechte Luft, sinnvoll und zielführend sind.

Als Ergebnis des Workshops wurden „10 Regeln für richtig gute Radkampagnen“ aufgestellt. Hier sind sowohl die Erfahrung beim Volksentscheid Fahrrad in Berlin als auch die aus
zahlreichen Kampagnen in anderen Städten eingeflossen.

1. Macht eure Forderungen und Ziele durch konkrete Aktionen vor Ort erlebbar. Beispiele wären die „Protected Bike Lane“-Aktionen in zahlreichen Städten, aber auch die Aufsstellung von Geisterrädern. Beide Aktionen bringen Menschen vor Ort.

2. Formuliert konkrete, messbare Ziele, die die gemeinsame Basis für die Akteure hinter der Kampagne sind (SMART-Ziele). Diese müssen gleichzeitig ambitioniert genug, aber noch von allen Akteuren tragbar sein.

3. Wählt einen griffigen Namen und formuliert klar und prägnant. Positiv genannt wurden #RingFrei, Volksentscheid Fahrrad.

4. Schätzt mögliche Kritik vorher ein und entwickelt Strategien und Argumente, wie man mit dieser umgeht. Falls die Abschätzung schwierig ist, sollte man die Kampagne in Gesprächen testen.

5. Plant eure Ressourcen realistisch. Dabei geht es um Personal – Planer, Macher und Interessierte –, um Zeit, Geld, und Know-How sowie Hilfen von außen.

6. Plant genügend Zeit und Raum für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation mit der Zielgruppe und Vernetzung mit anderen Gruppierungen und Bündnispartner ein.

7. Legt eure Zielgruppen fest und plant Ansprache, Kanäle und Botschaft entsprechend.

8. Plant klare Phasen (Vorlauf/Planung, Beginn, Durchführung, Ende und Evaluation)

9. Beobachtet die Ergebnisse und Erfolge, bewertet diese kritisch und steuert eventuell nach.

Umstritten war, wie oben gesagt, die letzte Regeln – da es ja durchaus auch Radkampagnen geben könnte, die sich gegen etwas richten, ohne eine konkrete Lösung vorzuschlagen.
Trotzdem – hier die zehnte Regel:

10. Formuliert eine begeisternde Botschaft und schlagt positive, konstruktive Lösungen vor. Zeichnet ein positives Bild und illustriert diese (beides kann auch erst während der Kampagne erarbeitet werden).

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Im Workshop von Christoph und Julian wurden die verschiedenen Dimensionen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit thematisiert. Ein starker Focus wurde auf die Veröffentlichung eigener Medien in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter & Co. gelegt. Ferner wurden Strategien für eine erfolgreiche Pressearbeit skizziert.

 „machsmit, machsnach,​ ​ machsbesser“​ ​ – ​ ​Realexperimente​ / ​PARK(ing)Day​

Im Workshop von Stefan vom Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte ging es nicht um Kampagnen sondern um ganz konkrete Umgestaltungen. Er berichtete über das Projekt park2park, bei dem ein reales Erleben einer anderen Stadtraumgestaltung möglich wird. Seine Präsentation findet sich hier.

Politikeransprache​ ​ – ​ ​ wie​ ​ kriege​ ​ ich​ ​ politische​ ​ Unterstützung/wie​ ​ setze​ ​ ich meine​ ​ Ziele​ ​ politisch​ ​ um?

Ganz konkret auf der kommunalpolitischen Ebene wurde in diesem Workshop diskutiert. Michael vom Volksentscheid Fahrrad in Berlin stellte in seiner Präsentation die Erfahrungen und Methoden des Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg vor.

Radentscheid​ ​ Aachen​ ​ – ​ ​ auf​ ​ dem​ ​ Weg​ ​ zum​ ​ Kommunalen​ ​ Referendum​ ​ in​ ​ NRW

In Aachen bildet sich derzeit die erste Gruppe auf dem Weg zu kommunalen Radentscheiden in Nordrhein-Westfalen. Ihr Problemaufriss erläutert die aktuelle Lage in der Region.

Luftverschmutzung​ ​- ​ein​ ​ möglicher​ ​ Treiber​ ​ der​ ​ Verkehrswende?​

Nicht nur die Luftverschmutzung, sondern auch die Themen Gesundheit, soziale Gerechtigkeit, lebenswerte und smarte Städte und viele andere mehr grenzen an die Radverkehrswende. Nach einer kurzen Einführung wurden miteinander mögliche Bündnispartner gebrainstormt, die es auf dem langen Weg, der zu gehen ist, zu gewinnen gilt.

Speeddating

Kein Vernetzungstreffen ohne Kennenlernen. Das Speedating brachte alle Teilnehmer*innen innerhalb von 10 Minuten mit jeweils drei vorher Unbekannten ins Gespräch und entließ sie dann in die gemeinsame Mittagspause.

Abschlusspodium

Auf dem Abschlusspodium diskutierten unter der Moderation von André Moser von der Heinrich Böll Stiftung Nordrhein-Westfalen (herzlichen Dank hierfür):

  • Susanne Böhler-Baedeker, Ruprecht Consult
  • Reinhold​​ Goss,​ Initiator​ ​von​​ #RingFrei
  • Martin Randelhoff, Blogger, Zukunft Mobilität
  • Petre Feldkamp, Changing Cities / Volksentscheid Fahrrad (als Ersatz für die durch Xavier verhinderte Lena Osswald)

Erörtert wurde dabei auch die Frage, inwieweit eine koordinierte Kampagne in Nordrhein-Westfalen machbar und wünschenswert sei. Hierfür wurde ein Follow-Up für Januar in Köln vereinbart. Dabei soll die Energie, mit der alle bei DrehDeineStadt! unterwegs waren aufgegriffen und in einen gemeinsamen Kampagnenansatz für das Bundesland gegossen werden.

Danksagung

Das Orgateam von Changing Cities e.V. bedankt sich bei allen die gekommen sind und ganz besonders beim Team von Utopiastadt für den Raum und den Organisationen, die durch ihre finanzielle Unterstützung das Treffen ermöglicht haben.